Demoaufruf/Redebeitrag

Hier nochmal unser Redebeitrag, den wir auf unserer Demonstration verlesen haben:

Bald ist es ein Jahr her, dass jubelnde Menschen an den deutschen Bahnhöfen standen und Geflüchtete mit „Herzlich Willkommen“-Plakaten empfingen. Die Grenzen wurden geöffnet, die AfD schien keine ernstzunehmende Gefahr zu sein und Bundeskanzlerin Merkel streichelte vor der Kamera weinende Kinder.

Wie aber schon von Anfang an ersichtlich war, fand der plötzliche Enthusiasmus ein noch schnelleres Ende.
Wilde Gerüchte, Geflüchtete hätten Kinder entführt oder gegessen, kursierten durch sämtliche Medien. Islamfeindliche Bewegungen wie Pegida und Co. erlangten täglich mehr Zuspruch, die AfD entwickelte sich zu einer legitimen, angeblich bürgerlichen Partei, die innerhalb von wenigen Monaten einen großen Zuwachs von WählerInnen und Mitgliedern verbuchen konnte. Asylgesetze wurden verschärft und die Bedingungen für Menschen auf und nach der Flucht immer unmenschlicher.
Bis heute verschlechtern sich die Umstände immer weiter, und alltäglicher Rassismus festigt sich mehr und mehr in den gesellschaftlichen Strukturen.

Dieses Prinzip der Ausgrenzung, das Staaten offensichtlich als Lösungen verstehen, lässt sich auch in aktuellen Geschehnissen wiederfinden. Ein Beispiel hierfür ist die Balkanroute, welche sich von der Türkei aus über Griechenland und Mazedonien bis nach Deutschland oder andere westeuropäische Staaten zieht. Die Verhältnisse auf ihr sind schlichtweg schockierend. Ein Grund hierfür ist das ständige systematische Versagen europäischer Staaten, die anstatt produktive Hilfe zu leisten, repressiv gegen Flüchtende vorgehen. Grenzen werden verschlossen, Menschen schlafen im Dreck, erleiden Hungersnöte und müssen weiterhin um ihr Leben bangen. Ein Beispiel hierfür ist die griechische Insel Lesbos, die zwischen dem türkischen und griechischen Festland liegt und eins der ersten Ziele von Schutzsuchenden ist. Auch wenn die Insel durch ihre Zugehörigkeit zur Europäischen Union vorerst als sicherer Platz gilt, ist die Situation vor Ort absolut unmenschlich.
Auch unabhängigen freiwilligen Einzelpersonen und Gruppen wird mittlerweile durch Festnahmen und Räumungen selbstorganisierter Camps eine selbständige Hilfeleistung verwehrt.
Die sogenannten Auffanglager entwickelten sich als Folge des ekelhaften EU-Türkei-Deals zu direkten Abschiebeknästen, sodass Geflüchtete erneut um ihre gerade erst erlangte „Sicherheit“ fürchten müssen. Doch Lesbos ist nur eines von vielen Beispielen dieser europäischen Abschottungspolitik.
Auch in dem griechisch- mazedonischen Grenzort Idomeni verharrten monatelang mehrere tausend Menschen, die ohne ausreichend Essen, wetterfeste Kleidung oder einen warmen Schlafplatz versuchten ihr Überleben zu sichern und aufgrund von selbstorganisierten Proteste gegen die vorherrschenden Verhältnisse heftigen Prügel- und Tränengasattacken ausgesetzt waren. Schon die „falsche“ Nationalität reichte hier aus, um an der Weiterreise gehindert zu werden. Nachdem das Camp vor einigen Wochen gewaltsam geräumt wurde, sind über 4000 Menschen in Militärlager in Thessaloniki, einer Stadt nahe der griechischen Grenze, verfrachtet worden. Die restlichen Campbewohner versteckten sich laut Angaben der Behörden und der Helfergruppen in naheliegenden Wäldern, um den Millitärlagern, die mit Knästen gleichzusetzen sind, zu entgehen.

Dieses repressive Handeln des Staates zeigt zum Einen erneut die Überforderung mit der momentanen Situation auf, zum Anderen jedoch den Versuch zur Verhinderung selbstorganisierter Strukturen.

Doch Grenzschließungen, Repressionen und Abschiebungen können keine Lösung dieser Umstände sein! Auch wenn das eigentliche Ziel in der Bekämpfung der Fluchtursachen liegt, an denen die europäischen Staaten als Profiteure wirtschaftlicher Ausbeutung maßgeblich beteiligt sind, und jeder Mensch außerdem das Recht haben sollte, sich den Wohn- und Standort frei zu wählen, muss sich auf Grund der sich stetig verschlimmernden Umstände sofort etwas ändern.

Deshalb fordern wir ein Ende der Repressionen gegen Flüchtende und Geflüchtete! Abschottung und Abschiebungen sind keine Lösung! Weg mit der Festung Europa! Für ein Bleiberecht für Alle!

Das Plakat zum Aktionstag

Für das Design unsere schönen Plakate war der Grafikdesigner Schraube verantwortlich. Das Ergebnis hat uns unglaublich erfreut und unsere Erwartungen übertroffen.